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“FÜR MICH MUSS EIN ERFOLGREICHER SESSEL BEQUEM UND ENTSPANNEND SEIN.”

Henrik Pedersen wohnt in einer exklusiven Gegend, im Süden von Dänemarks zweitgrößter Stadt Aarhus. Ein Blick ins Innere seines Hauses bestätigt alle Vorstellungen, die man von diesem renommierten Designer hat: Sein Zuhause ist clever designt und elegant eingerichtet, jedoch nicht von opulenter Größe oder prätentiösem Stil. Es ist weder ein Statussymbol noch eine selbst errichtete Hommage an die eigenen Talente. Das Haus des Designers strahlt eine einladende Wärme aus, die jedem Besucher das Gefühl gibt, zu Hause zu sein.

Da überrascht es auch nicht, dass der 51-jährige Markenidentitäts-,Grafik-, Verpackungs-, Möbel- und Beleuchtungsdesigner häufig als „auf dem Boden geblieben“ beschrieben wird. Henrik Pedersen entwirft Designs für Interior-Liebhaber auf der ganzen Welt und er hat einige der beliebtesten BoConcept Produkte kreiert, darunter die Adelaide Kollektion, der Monza Tisch und der ikonische Imola Sessel.

BoConcept Experience stellt Imola Designer Henrik Pedersen vor

Henrik Pedersen – ein Gespräch beim Designer Zuhause

Seine Designs überzeugen durch einen natürlichen Minimalismus und kommen ganz ohne überladene Verzierungen und Glamour aus. Seine Designsprache ist eine Mischung aus Komfort, natürlichen Rundungen, klaren Linien und ehrlichen Materialien – und Ehrlichkeit ist auch eines seiner Mantras. „Das ist immer mein Ausgangspunkt. Wenn man einen Auftrag annimmt, den man nicht ausstehen kann, gibt es nur zwei mögliche Ergebnisse: Man scheitert kläglich. Oder die Aufgabe gelingt nur, weil man sich von keinerlei Emotionen zurückhalten lässt. Beides ist keine große Freude, weil es dann einfach nur irgendein Job ist – die Leidenschaft bleibt auf der Strecke.“ An Leidenschaft für seine Designs fehlt es dem Designer jedoch ganz und gar nicht.

Ein Leben voller Design

Henrik Pedersen hat Modedesign studiert und 1989 seinen Abschluss gemacht. Schon während des Studiums entdeckte er seine Affinität für grafisches Design. Er brachte beides zusammen und sicherte sich eine Stelle, bei der er Grafiken für ein Modelabel entwarf. Später sollte er nach Aarhus zurückkehren, um dort gemeinsam mit seiner Frau ein Studio für Grafik-, Markenidentitäts- und Verpackungsdesign zu eröffnen. „Nicht ich habe mich für das Design entschieden, sondern das Design für mich!“, erzählt er lachend. „Ich habe nie einen Modedesigner kennengelernt, dem Autos, Grafik und Inneneinrichtung vollkommen egal waren – und umgekehrt. Für mich sind all das eng verknüpfte Bestandteile eines einzigen großen Elements.“

Sein Grafikdesign-Studio führt Henrik Pedersen bis heute. 2007 ergänzte er jedoch sein Tätigkeitsfeld um das Möbeldesign – fast zwei Jahrzehnte nach seinem Studienabschluss und nur ein Jahr, bevor er den Imola Sessel entwarf.

BoConcept Experience stellt Imola Designer Henrik Pedersen vor

Im Kopf, auf dem Block, am Computer … so entstehen sein Designs.

„Zu diesem Zeitpunkt besaßen wir Möbel, die wir zuvor immer haben wollten, aber uns nie leisten konnten. Das war der Auslöser für meinen Wunsch, auch Einrichtungslösungen zu entwerfen.“ Gesagt getan: Henrik entwarf eine zehnteilige Leuchtenkollektion und buchte ins Blaue hinein einen Stand auf der Kopenhagener Möbelmesse. „Ich habe mir keine Gedanken über den Preis gemacht und wusste nicht einmal, ob sie sich überhaupt verkaufen würden, aber ich musste einfach sehen, was passieren würde. Glücklicherweise habe ich alle zehn Designs an einen Hersteller verkauft und wurde für einen Designpreis nominiert. Daraufhin gründete ich mein Studio und habe eine neue Möbel- und Leuchtenkollektion auf einer anderen Messe vorgestellt.

„Zu diesem Zeitpunkt konnten wir uns mit Möbeln einrichten, die uns schon immer gefallen hatten, aber die wir uns früher nie leisten konnten. Von diesen Stücken umgeben zu sein, hat mich unweigerlich dazu motiviert, mich dem Interior Design zu widmen.“ Er entschied sich dazu, eine Kollektion aus zehn Leuchten zu entwerfen und buchte auf gut Glück einen Stand auf einer Möbelmesse in Kopenhagen. „Ich hatte keine Vorstellung von der Preisgestaltung und wusste nicht, ob sie sich überhaupt verkaufen würden. Ich wollte einfach nur sehen, was passiert. Glücklicherweise konnte ich alle zehn Entwürfe an einen Hersteller verkaufen und wurde für einen Designpreis nominiert. Daraufhin habe ich mein Studio gegründet und mit einer neuen Kollektion aus Möbeln und Leuchten an einer weiteren Messe teilgenommen. Dort konnte ich drei Kunden gewinnen, mit denen ich bis heute zusammenarbeite Einer davon ist BoConcept.“

BoConcept Experience stellt Imola Designer Henrik Pedersen vor

Inspiriert von einem Tennisball – Designer Henrik Pedersen entwickelte die Design Ikone IMOLA

Nur ein paar Minuten mit dem Designer und man erkennt: Diese „Kein Stress, das wird schon“-Mentalität, die schon für seinen Vorstoß ins Möbeldesign verantwortlich war, ist ein fundamentaler Bestandteil seiner Lebens- und Arbeitsweise. „Ich sitze auf einem Pferd und habe keinerlei Kontrolle“, meint er lachend. Er erklärt, wie wichtig es sei, sich nicht zu viele Gedanken über den Prozess an sich zu machen, und spricht sogar von seiner eigenen Kreativität mit einer gewissen Distanz: „Meine Vorgehensweise ist: einfach anfangen. Ich setze mich an meinen Tisch – mit dem Bleistift in der Hand – und dann sagt eine kleine innere Stimme ‚Mach dir keine Sorgen, ich bekomm das schon hin‘.“ Hinter dem Vorhang der Bescheidenheit verbergen sich allerdings profunde Grundlagen und Fachkenntnisse, die ihm eine solch erfolgreiche Karriere erst ermöglichten.

Später gewährt er uns doch einen kurzen Blick hinter die Kulissen: „Kopf, Bleistift und Papier und dann der Computer. Das ist meine Vorgehensweise. Der Computer ist die Nagelprobe. Denn auf Papier kann man alles toll aussehen lassen. Am Computer fragt das Design: ‚Du hast mich so gezeichnet, aber funktioniert das wirklich?‘ Das ist ein ganz zentraler Punkt im Prozess.

„Das Design entsteht im Kopf. Dann bringe ich es aufs Papier und visualisiere es anschließend am Computer. Das ist der Ansatz, der für mich funktioniert. Am PC wird es dann spannend. Das ist sozusagen die Feuerprobe, denn auf Papier sieht alles gut aus. Am Computer kann man sehen, ob das Design tatsächlich funktioniert und das ist einer der wichtigsten Schritte im Gesamtprozess.

Kompromisse gehören unweigerlich dazu. Nicht, dass Kompromisse und Widerstand schlecht wären. Sie helfen, die richtige Lösung zu finden. Man muss meist zehn, zwanzig oder einhundert Hindernisse überwinden, um ein funktionales Produkt zu entwerfen, das zu einem vernünftigen Preis produziert werden kann. Ich muss bei jedem Projekt die Funktionalität, den Preis, die Zielgruppe im Markt, Trends, meine eigenen Gefühle – die wohl ein wichtiger Bestandteil dessen sind, wofür meine Kunden bezahlen – sowie den Input von Ingenieuren und Handwerkern berücksichtigen. Deshalb behaupte ich, dass Design das Gegenteil von Kunst ist. Künstlern geht es darum, sich selbst auszudrücken – und eben keine Kompromisse einzugehen. Ein Designer ist nur ein Mittelsmann – wie eine Art Hebamme für Konzepte.“

Auf die Frage nach seiner Inspirationsquelle gibt er, wie erwartet und beinahe schon erhofft, ebenfalls eine ganz nüchterne Antwort: „Es ist nie so etwas wie eine Landschaft oder die Farbe von Schnee. Es sind meist ganz alltägliche Gegenstände: der Rand eines Mauspads, der Stoff eines Kissens. Früher habe ich diese Momente der Inspiration notiert, aber mittlerweile lasse ich das und vertraue darauf, dass sich mein Gehirn daran erinnern wird, wenn es nötig ist.“

Eine schicksalshafte Fügung

Im Gespräch über das Entwerfen des Imola Sessels tritt eine bisher noch unbekannte Tatsache ans Licht: „Der Entwurf hatte eigentlich nicht zum Auftrag gepasst“, lacht er. „BoConcept wollte ein vollkommen anderes Produkt, einen sehr klassischen Sessel, den ich ihnen auch gezeigt habe. Ich habe mir dann die Freiheit herausgenommen, auch den Imola Entwurf vorzustellen – den wollten sie dann sofort anstatt des anderen. Wir waren alle von diesem Entwurf begeistert, aber ich denke nicht, dass jemand seinen Erfolg hätte vorhersagen können.“ Der Sessel ist mittlerweile sowohl zu einem der am meisten verkauften Produkte als auch zu einem symbolträchtigen Bestandteil der Marke geworden.

BoConcept Experience stellt Imola Designer Henrik Pedersen vor

„Ich denke, der Grund für den Erfolg eines Sessels liegt im Auge des Betrachters. Wenn man nach einem Designerstück sucht, das weniger zum Sitzen als zum Setzen eines Statements gedacht ist, zählt bei der Entscheidung nur der Look. Manchmal setze ich mich in einen Sessel und merke sofort, dass der Komfort bei den Designern keine besonders hohe Priorität hatte. Meiner Meinung nach muss ein guter Sessel jedoch auch bequem sein. Ich will, dass er ein Ort zum Entspannen ist.“

Als wir nach dem Einfluss fragen, den der Entwurf eines so legendären Designstücks auf sein Leben hatte – und das nach nur einem Jahr in seiner Karriere als Möbel- und Beleuchtungsdesigner –, antwortet er lachend: „Es hatte überhaupt keinen Einfluss. Ich bin nicht auf Ruhm und Geld aus. Ich muss zwar auch Rechnungen bezahlen können, aber meine Leidenschaft ist es, Produkte zu entwerfen, die zum richtigen Preis hergestellt und von Kunden auf der ganzen Welt genutzt werden können. Ich blicke nicht zurück. Ich möchte einfach nur weiterhin gute Produkte entwickeln.“ Kämen diese Worte von irgendeinem anderen Designer, würde man ihren Wahrheitsgehalt wahrscheinlich eher skeptisch betrachten. Bei Henrik Pedersen hat man allerdings tatsächlich den Eindruck, dass er es vollkommen ernst meint.

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